Zufälliger Konzeptvergleich
#1
Hi zusammen , wie in meinem Schwedenshop schon zu lesen , habe ich im Heimkino Zimmer gerade einen Vorführaufbau für einen Kunden zusammengestellt .
Wie der Zufall es will , sind bei mir dabei gerade verschiedene Konzepte im Bestand , wodurch ein Vergleich nicht nur für den Kunden interessant wird , sondern vielleicht auch den einen oder anderen User hier interessiert .

Drei der Paare bewegen sich dabei im Neupreisbereich zwischen 500 und 700 € pro Paar , dazu die T+A für einen ursprünglichen Listenpreis von 2000€ pro Paar , um mal zu demonstrieren , wo der Aufpreis solcher Lautsprecher zu finden ist und ob es auch klanglich derart relevante Unterschiede gibt , als das sich solche Aufpreise für den Einzelnen lohnen .

Hier nochmal der Gesamtaufbau :

   

Und die Elektronik mit der getestet wird , zusätzlich kommt ein simples 4fach Umschaltpult zum Einsatz .

   

   

   

Die Kandidaten im Einzelnen und ihre konstruktiven Konzepte von innen nach außen .

Quadral Argent 50 

Die Quadral sind meines Wissens nach selten einzeln in den Handel gekommen sondern zumeist als Hauptlautsprecher in einem 5.1 Set zusammen mit dem Argent Base Center und den Argent 20 Regallautsprechern, sowie einem aktiven Subwoofer . Der Einzelpreis dürfte realistisch zwischen 300 und 400€ pro Stück anzusiedeln sein , falls jemand hier genaue Angaben hat , füge ich sie gerne ein , ich selbst habe keine Einzelpreise finden können . 
Sie bewegen sich heute gebraucht in Regionen zwischen 100 und 230€ (Höchstpreis bei Springair) pro Paar und werden vergleichsweise selten angeboten .

Die Argent 50 ist dabei ein klassisches und echtes 3 Wege Konzept , was in dieser Preisklasse ziemlich ungewöhnlich ist .
Ein beschichteter 170mm Bass gibt bei 800 Hz an einen ebenfalls beschichteten 110mm Mitteltöner weiter , beide mit langlebigen Gummisicken und den wie üblich recht massiv aussehenden Alu farbenen Gusskörben , die in diesem Falle allerdings aus Kunststoff bestehen . Komplettiert wird das Ganze von der häufig genutzten 25mm Metall Kalotte , die ab 3000 Hz den Rest des Spektrums nach oben übernimmt . Der Lautsprecher ist dabei als Bassreflex konzipiert mit rückwärtiger Reflexöffnung auf halber Gehäusehöhe .

Was sich Quadral dabei gedacht hat , bei solchen relativ günstigen Konstruktionen nun unbedingt ein recht hochwertiges Bi-Wiring Terminal zu installieren , bleibt wohl deren Geheimnis , sowas sein zu lassen und beim Gehäuse etwas massiver zu bauen , wäre nach meiner Ansicht sinnvoller gewesen .
So bleibt es im hinteren Bereich bei relativ dünnwandigem Pressspan in diesem Falle Esche schwarz foliert und einer etwas stärkeren MDF Front in schwarz matt lackiert .
Dazu gibt es einfache aber sauber aufsitzende Metallgitter Abdeckungen für die Front , haptisch gut und sinnvoll als Schutz vor Kinderfingern , für die die Lautsprecher mit ihrer zierlichen Höhe von 840mm genau die passende Reichweite hätten . 
Auch beim Gesamtgewicht zeigt sich , das am Gehäuse die größten Einsparungen vorgenommen wurden , es liegt bei kurz über 10 Kilo , die Quadral sind damit als Standlautsprecher leichter als die zugegeben massiv aufgebauten MB Quart .

Das macht sich im Spielbetrieb schon kurz oberhalb Zimmerlautstärke bemerkbar , hier fallen die Quadral als auch die Canton beim einfachen Test mit den Fingerspitzen auf der Lautsprecher Oberseite durch fühlbare Vibrationen der Gehäuse auf , sprich hier resoniert es und nicht zu knapp .
Ob sich das auch bei der Wiedergabe bemerkbar macht wird sich zeigen .


MB Quart QLS 502 S

Quart setzte bei dieser Konstruktion auf einen klassischen 2 Wege Lautsprecher in Bassreflex Ausführung mit Reflexöffnung auf der Front .
Die 25mm Titan Kalotte in einer ihrer finalen Ausführungen teilt sich unterhalb 3100 Hz die Arbeit mit dem flächenmäßig größten Tiefmitteltöner aller verglichenen Lautsprecher , einem unbeschichteten 195mm Treiber mit Gummisicke .
Auch hier ist mir der Paarpreis im Ursprung nicht bekannt , er sollte aber ebenfalls im Bereich 600-800 € pro Paar liegen , gebraucht werden diese Lautsprecher selten unter 100€ angeboten , eher Preisbereich 100-200€ pro Paar .

Man merkt der Quart sofort haptisch an , das hier im Gegensatz zur Quadral anders kalkuliert wurde , die Flanken sind in Esche schwarz Furnier gehalten , die Gehäusestärken liegen bei mehr als 20mm . Quart ist dabei der einzige der vertretenen Hersteller , der es schafft , selbst ein hochwertiges Bi-Wiring Terminal in die Rückwand einzufräsen , bei allen anderen Lautsprechern , auch bei T+A ist es nur aufgesetzt .
Dafür polarisiert MB Quart seit je her mit einer Eigenart , die mich persönlich , ehrlich gesagt immer maßlos gestört hat .
Sie haben es nie geschafft , selbst bei außermittig montierten Hoch und Mitteltönern , spiegelbildliche Paare Lautsprecher zu bauen , in diesem Falle nicht anders , egal wie man es dreht und wendet , ein Hochtöner sitzt außen , einer innen da beide Lautsprecher gleich gebaut sind und es keine linken und rechten Lautsprecher bei Quart gibt .

Andererseits demonstriert dies aber auch , dass das werben und beachten solcher Bauweisen wohl akustisch vollkommen egal ist , betrachtet man das Abstrahlverhalten von Chassis oberhalb 2000 Hz ist es tatsächlich vollkommen latte , ob ein Töner nun mittig sitzt oder leicht versetzt auf der Schallwand , komisch aussehen tut es trotzdem :-))

Mit 12,9 Kilo pro Stück bei Abmessungen von 280 x 476 x 310 mm (Breite x Höhe x Tiefe) sind die Quart ziemliche Wonneproppen , die Gehäuse machen auch bei höheren Pegeln kaum einen Mucks , nur die T+A toppen hier durch ihre Bauweise mit Transmissionline alles , trotzdem für die Preisklasse sind die Quart ausnehmend massiv verarbeitet , wobei wie bei der Quadral gilt , den Bi-Wiring Terminal hätte man sich sparen können .

Reicht das aber , um als Kompakt Lautsprecher mit den Standlautsprechern mitzuhalten , man wird sehen(hören) .


Canton LE 107 

Auf den ersten Blick bieten die Cantons für ihren ehemaligen Listenpreis von 690€ pro Paar eine Menge Lautsprecher fürs Geld , auch hier schwanken die üblichen Gebrauchtpreise zwischen 100 und 200€ pro Paar , was auch gebraucht den Eindruck eines sehr guten Preis/Leistungsverhältnisses erzeugt . 
Die Canton sind dabei praktisch Vertreter der heutigen Standardbauweise im Preisbereich bis 1000€ pro Paar .
Ein so genanntes 2,5 Wege Prinzip , bei dem zwei 180mm große Tieftöner bis zur vom Hersteller bestimmten Übergangsfrequenz bei 300Hz parallel laufen und darüber der obere der beiden optisch baugleichen Töner bis 3200Hz als Mitteltöner weiter läuft , den Hochton übernimmt dann eine 25mm Gewebekalotte .

Dieses heute überwiegend verbreitete Konzept soll Vorteile vor allem im Bassbereich erbringen und zwar durch Verdoppelung der Membranfläche im Bassbereich bei gleichzeitig schmaler Bauweise , ob das in der Praxis so klappt , wird sich noch zeigen , denn trotz der Verdoppelung der Membranfläche muss eben eines der beiden Chassis zusätzlich zum Mittelton , wie bei einem reinem 2 Wege Prinzip , den Bassbereich bis zur unteren Grenzfrequenz mit übernehmen . 2,5 Wege Lautsprecher sind also prinzipiell 2 Wege Konstruktionen mit Bass Booster .

Die Gehäuseoberflächen der Cantons sind auf dem Korpus sauber in Kirsche foliert , die Schallwand in einem anthrazit Farbton mit leichtem Metallic Effekt gehalten und trägt zusätzlich sehr sauber und genau eingepasste Gitter Abdeckungen , sinnvoller Weise verzichtet Canton auf Spielereien wie Bi-Wiring und verbaut ein sehr solides Single Terminal , passt und reicht vollauf . 

Gegenüber den Quadral weisen die Canton dickere Wandstärken beim Gehäuse auf , was sich durch ein Gewicht von 14,9 Kg pro Stück bemerkbar macht , allerdings scheint man auf weitere Gehäuseversteifungen verzichtet zu haben , auch die Cantons resonieren spürbar ab kurz oberhalb Zimmerlautstärke . Die Canton fällt in diesem Vergleich eben auch durch ihre Größe auf , mit 250 x 900 x 290 mm (Breite x Höhe x Tiefe) überragt sie die Quadral deutlich , nur die T+A ist geringfügig höher , wirkt durch ihre geschwungene Bauform aber insgesamt zierlicher . 

Mit der insgesamt größten Membranfläche und ner Menge Volumen hat die Canton theoretisch also insbesondere im Bassbereich konstruktive Vorteile , ob sie die auch ausspielen kann in der Praxis , wird sich zeigen .


T+A TS350 

Die T+A wurde von mir ja schon im Generationenvergleich mit meinen Yamaha NS1000M ausgiebig besprochen aber eben unter vollkommen anderen Voraussetzungen, musste sie sich da noch gegen eine Vintage Legende mit Monitor Abstimmung behaupten , nimmt sie in diesem Vergleich die Rolle des Platzhirsches ein , der sowohl preislich als auch technisch ?? die technologische Spitze repräsentiert .

Natürlich kucken hier die meisten auf den ehemaligen Listenpreis von 2000€ , sowie Gebrauchtpreise zwischen 400 und 700 € 
Wo steckt der Mehrwert , wie wird beispielsweise ein dreifacher Preis gegenüber einer Canton LE 107 gerechtfertigt .

Bevor überhaupt der erste Ton Musik abgespielt wird, zeigt die T+A optisch wie haptisch wo der Hammer hängt , ein Gewicht von 22 Kg pro Stück , die äußere Bauform mit den geschwungenen Flanken , sowie die Transmissionline als Basskonzept mit ihren zwangsläufigen Versteifungen über fast die gesamte Höhe , macht vom ersten Moment an deutlich , ich bin Handwerk , ihr seit Standard .
Dazu gerade wenn man sie direkt neben die Canton platziert , beide Gehäuse auf dem Korpus im gleichen Farbton und gleicher Holzart , wird das Budget optisch absolut deutlich . Sieht die Canton für sich betrachtet eigentlich recht schmuck aus , wird sie neben der T+A gnadenlos auf das Niveau Plastikfolie reduziert in die sie nun einmal verpackt ist .

Das ist wie Ikea gegen Tischlerei Maßanfertigung , absolut sauber und mit Seidenglanz veredeltes Kirsch Furnier , der Unterschied ist überdeutlich und selbst bei hohen Pegeln rührt sich da gar nichts .

Technisch traut T+A seinen Chassis auch ein ganzes Stück weiter als Canton , bei ebenfalls 2,5 Wege Prinzip , arbeitet die Tieftöner  nur bis 200 Hz parallel bis der baulich aufwendigere Tiefmitteltöner mit zusätzlichen Versteifungen in der Membran recht früh bei 2200 Hz an einen 35mm Ringstrahler übergibt .

Optisch und haptisch gibt es da gar nichts zu wollen und für so manchen dürfte der Drops vor dem ersten Ton schon gelutscht sein in der Form das die T+A ihren Preis schon durch Haptik , Optik und eine unverschämt gute Verarbeitung rechtfertigt .

Kann sie das aber auch klanglich zementieren oder werden die Unterschiede eher für Ernüchterung sorgen ? 


Das und so einiges anderes gibt es im nächsten Teil :-)
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#2
Sooo , Kunde ist schon durch , es ist wie anfangs angefragt bei ihm die Canton LE 107 geworden , weswegen ich auch mit ihr anfange .

Klanglicher Eindruck :


Testmusik auch nachfolgend für die anderen Lautsprecher 

1) Paul Simon - Graceland 
2) Eric Clapton und BB King - Riding with the King 
3) Disturbed - TenThousend Fists 

Canton LE 107 

Canton ist bekanntlicher Weise ein Hersteller , der bei der Abstimmung seiner Lautsprecher auf Massentauglichkeit achtet , bei der LE 107 ist das nicht anders , auf Anhieb fällt eine leichte Loudness Charakteristik auf , sowohl durch leicht betonten Oberbass als auch im Hochtonbereich .
Dadurch klingt die Canton schon bei niedrigen Pegeln sehr voll mit sattem Fundament aber auch sehr fein und detailliert , wobei der Hochtonbereich nach meinem Geschmack ein wenig zu viel in den obersten Lagen tut .

Bei der Metal Aufnahme von Disturbed kommt die Abstimmung der Musik sehr entgegen , da dies eine der Bands ist , die gerne mit dem "Wall of Sound" als Stilmittel arbeitet , ist ein gewisser Extra Punch im Oberbass nicht verkehrt , mit musikalischer Wahrheit hat diese Abstimmung natürlich nur bedingt zu tun , Canton arbeitet vielmehr mit einer Abstimmung , die für viele Hörer angenehm ist .
So ergibt sich mit Metal ein satter Höreindruck mit einer Portion Dynamik auch bei Stücken , die nach dem Wall of Sound durchgängig gleichlaut abgemischt wurden .
Steigen die Pegel an , zeigen sich aber auch Nachteile solcher Abstimmungen , der leicht angehobene Hochtonbereich kippt dann ins schrille , im Bass wird es zunehmend undifferenziert , der Stimmbereich wird ein wenig unterdrückt und tritt leicht in den Hintergrund .

Kompensieren kann und sollte man das bei der Canton mit einer möglichst freien Aufstellung , Minimum 50cm von jeder Wand weg , mehr ist besser .
Die Canton ist dadurch kein Lautsprecher für kleine Räume oder speziell im Nahfeld , Minimum zwei Meter Hörabstand , ebenso kann man die Hochtonanhebung durch parallele Aufstellung zum Hörplatz abschwächen , ein eindrehen auf den Hörplatz ist nicht zu empfehlen .

Beim abhören von Paul Simon oder eben Clapton und King , beides erstklassige Produktionen zeigen sich die Folgen der Canton Abstimmung deutlicher , beides sind Alben mit exzellenter  Auflösung im Stimmbereich , hier gerät die Canton ein wenig ins Hintertreffen . Auch mit allen Aufstellungstricks bleibt die leichte Loudness Abstimmung erhalten und unterdrückt stimmliche Details , ebenso wie die leichte Oberbass Betonung lästig wird und zusammen mit dem nicht allzu gut versteiften Gehäuse eine vernünftige Auflösung im Bassbereich verhindert , was eine Menge Details in der Gesamtwiedergabe schluckt , um diese Tendenz zu erhören braucht es auch keinen direkten Vergleich zur teuren T+A , auch die anderen beiden Lautsprecher waren hier besser aufgestellt .

Da der Kunde nach eigenem Bekunden zu einem Großteil harte Rock Musik bevorzugt , blieb es trotzdem bei seiner Wahl , in der Hinsicht auch eine gute Wahl , da die Cantons bei Metal mit ihrer druckvollen und schmatzigen Spielweise durchaus Spaß machen , mir persönlich wäre das allerdings zu wenig .
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#3
Quadral Argent 50 

Die Quadral ist ein Lautsprecher der polarisiert und bei dem man sich unwillkürlich fragt , warum er von Quadral genau so in der Form umgesetzt wurde .
Die Erklärung ist wohl am ehesten darin zu finden , das diese Lautsprecher in der Hauptsache für den Einsatz in einem 5.1 Set gedacht waren .
Auch hier findet sich eine leichte Überhöhung des Oberbasses , was zu erwarten war , man versucht mit dem einen 175mm Bass ein wenig mehr schein als sein zu erzeugen , im Vergleich zur Canton fehlt aber die Überbetonung im Hochtonbereich , was nicht bedeutet , das die Quadral hier unterbelichtet wären , ganz im Gegenteil , der eingebaute Hochtöner kommt auch in einigen teureren Modellen zum Einsatz , löst gut auf und hat keinen Hang zu übermäßiger Schärfe .

Beim hören von Metal erzeugt dies ein zwiespältiges Bild , im Pegelbereich der Zimmerlautstärke und ein Stück drüber legen die Quadral los wie die Feuerwehr , mit gutem Wirkungsgrad stellen sie auch keine besonderen Anforderungen an die angeschlossene Elektronik , hier kommt eben zum tragen , das diese Lautsprecher für den Einsatz an Einstiegs AV Receivern geeignet sein müssen .

Werden die Pegel höher kippt das Klangbild aber sehr schnell und die Lautsprecher wirken angestrengt , vor allem der einsame 175mm Bass hat seine Not damit , sauber zu bleiben und gleichzeitig ein gewisses Auflösungsvermögen beizubehalten , wobei dieser Eindruck nicht allein am Basschassis festzumachen ist , sondern hier die Sparmaßnahmen am Gehäuse negativen Einfluss auf die Basswiedergabe nehmen , die Quadral haben eines der am stärksten resonierenden Gehäuse , die mir bisher untergekommen sind , hier wurde eindeutig am falschen Ende gespart . Dazu auch hier die Anmerkung , an sich spielen diese Lautsprecher im 5.1 Setup mit einem aktiven Subwoofer zusammen , die Grundentwicklung dürfte daher nicht der eines üblichen Stereo Vollbereichs Lautsprechers entsprechen .

Hört man dagegen saubere Produktionen wie Graceland oder Riding with the King , fängt man an zu bedauern , das Quadral diese Lautsprecher vom Gehäuse her so billig umgesetzt hat . Bei Zimmerlautstärke und etwas drüber , ist die Feinauflösung , die Darstellung feindynamischer Passagen und die Bühne dieser Lautsprecher schlichtweg WOW . Selten hab ich einen Lautsprecher dieser Preisklasse gehört , der bei moderaten Pegeln die Details des Gittarrenspiels und des Duett Gesanges so hervorragend aufdröselt , wie diese Quadral es vermögen . Da werden Preisklassen ganz locker übersprungen und die Argent spielt mit einer viel teureren Quadral Shogun , die vor kurzem noch hier war auf Augenhöhe .

Selbst die Unterschiede zur T+A schrumpfen in diesem Bereich auf ein überschaubares Maß , aber auch hier ist der Spaß vorbei , sowie die Pegel angehoben werden und man sich beispielsweise an grobdynamischen Passagen auf Graceland erfreuen möchte . Die Auflösung im Bass geht verloren und es wird einfach nur mulmig und matschig auch wenn das Basschassis noch gar keine großartigen Auslenkungen produziert . 

Im Gegensatz zur Canton darf die Quadral durchaus auf den Hörer ausgerichtet werden , auch einen Wandabstand von 30cm und 150cm Hörabstand klappen schon sehr gut , Bühne und Räumlichkeit sind im Bereich Zimmerlautstärke und leicht drüber erstklassig .

Prinzipiell ist dies ein Lautsprecher für DIY Fans , Gehäuse ausmessen , Originalgehäuse ab auf den Müll und die Bestückung in ein vernünftig gebautes Gehäuse mit entsprechenden Wandstärken verfrachten , dann sollte es passen und ein richtig gutes Ergebnis abliefern , so sind es leider nur Lautsprecher für Leisehörer .
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#4
(Gestern, 14:13)Südschwede schrieb: ...Gehäuse ausmessen , Originalgehäuse ab auf den Müll und die Bestückung in ein vernünftig gebautes Gehäuse mit entsprechenden Wandstärken verfrachten...

Klaus, das war auch mein erster Gedanke während deiner Schilderung !  Greis

Schöner Bericht, danke dafür !
Gruß, Martin

"... and my passport's disappearing as I sing these words to you..." Phil Ochs reloaded 
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#5
MB Quart QLS 502 S 

Mit der Quart betritt der einzige Kompaktlautsprecher die Bühne in meinem kleinen Vergleich und das beim ersten Takt mit einem Paukenschlag .
Die Quart hat von allen vorhandenen Lautsprechern den höchsten Wirkungsgrad , auf dem Papier war das schon vorher klar , aber das sich das derart auswirken würde , als das man beim umschalten auf die Quart jedes Mal die Verstärker Lautstärke reduzieren muss , so groß schienen die Unterschiede allenfalls zur T+A zu sein , wo es theoretisch 4dB Unterschied sind .

Auch die Abstimmung der Quart unterscheidet sich deutlich von den beiden vorher beschriebenen Standlautsprechern , hier geht es eindeutig Richtung Monitor , linearer Frequenzgang , keinerlei künstliche Anhebung im Oberbass sondern sanfter Abfall ab ca. 100Hz , der kurz unterhalb 50 Hz den -3dB Punkt erreicht .
Eine Lehrbuch Abstimmung , die einem in der Praxis die Möglichkeit eröffnet auch wandnahe aufzustellen , ab 5-10cm gar kein Problem und selbst im Nahfeld mit 1,50 m 
Hörabstand baut sich schon eine vernünftige Bühne auf .

Einzig der Hochtonbereich neigt ein wenig zum über analytischem , diese Tendenz hat MB Quart mit seiner 25mm Titan Kalotte nie ganz in den Griff bekommen , selbst eine damals 3500 DM teure 980S hatte diese Tendenz , wobei hier in der QLS 502 S mit einer der letzten Varianten dieser Kalotte , dieser leichte Hang zur Schärfe nur noch abgeschwächt vorhanden ist . Ideal dürfte sich dieser Lautsprecher mit kleinen britischen Verstärkern verstehen , die stabil Strom liefern und leicht analog gesoundet sind . 

Auch der Philips made bei Marantz kam gut mit ihnen zurecht und die Quarts zeigen , dass das 2 Wege Prinzip in der Preisklasse bis 1000€ immer noch das Maß der Dinge ist , wenn man einen hochwertigen und ehrlichen Lautsprecher haben möchte , der Preisklassen vergessen lässt .

Egal ob Metal oder hochwertige Pop/Rock Produktionen , die Quart macht alles mit und das bis zu bemerkenswerten Pegeln und vor allem mit einer Präzision und einer Auflösung im Bassbereich , die klar zeigte , ein größeres Chassis macht im Bass mehr Sinn als zwei kleinere . Wirkte eine Canton im ersten Moment zwar mächtiger , wurde ziemlich schnell klar , das dies nur am leicht angedicktem Oberbass lag .

Um das noch ein wenig genauer zu verifizieren , nahm ich noch ein spezielles Metal Album zur Hand .

Haggard - Awaking the Centurys  

Diese erstklassige Produktion mischt Death Metal mit klassischer Musik auch unter ziemlich brutalem Einsatz von Kesselpauken .

Hier brauchte es dann zum Vergleich die T+A um klarzustellen , wo bei der kompakten Quart die Grenzen lagen und mit dem Tiefgang einfach Schluss war .
Trotzdem ist die Quart in diesem Vergleich letztendlich der klare Preis/Leistungssieger der aufzeigt , unterhalb 1000€ ist weniger bei Lautsprechern oft am Ende mehr .

Die Konzentration auf zwei hochwertige Chassis in Verbindung mit einem solide gebautem Gehäuse bietet in der Summe der Eigenschaften einen klaren Mehrwert , gegenüber den zwar größeren Gehäusen der Standlautsprecher , die wegen ihrer Größe und der Anzahl an Chassis an anderen Stellen teilweise viel zu sparsam verarbeitet sind .
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#6
T+A TS 350 

Es wirkt beinahe wie ein High End Klischee , aber in dieser Zusammenstellung zeigt die T+A , was es braucht um einen echten Vollbereichslautsprecher zu bauen in moderner Ausführung . 

Egal von welchem Lautsprecher man auf die T+A umschaltet , da tun sich insbesondere wenn es mal ein wenig krachen soll schon teilweise Abgründe auf die insbesondere zeigen , das man bei Stückpreisen um die 350€ nicht erwarten kann einen Fertig Standlautsprecher zu bekommen , der oberhalb der Einstiegsklasse spielt .
Mag sein das es sowas gibt aber weder die Canton noch die Quadral sind mit der T+A vergleichbar , die Defizite sind einfach zu groß .

Für die 2000€ Listenpreis bekommt man von T+A einen erstklassig verarbeiteten Lautsprecher , der sich verglichen mit anderen heutigen Hifi Lautsprechern von unten bis oben im Frequenzbereich keinerlei Fehler leistet . Was eine Transmissionline und ein damit beinahe Resonanz freies Gehäuse an Tiefgang bei gleichzeitiger Auflösung im Bassbereich erreichen kann , ist schon erstaunlich , vor allem im Hinblick auf das doch sehr kompakte und elegante Gehäuse .

Dazu gesellt sich ein feiner und detaillierter Mittenbereich und ein Hochton der sich bruchlos einfügt indem er weder zu viel noch zu wenig tut , es passt einfach .
Die T+A ist dabei keine empfindliche High End Pflanze , sondern ein Allrounder , der wie es sich für einen hochwertigen Lautsprecher gehört , mit jeder Art von Musik klar kommt . Dazu dürfte sie vom Gehäuse her einer der zierlichsten Lautsprecher sein , der ein Instrument wie eine Kesselpauke glaubhaft darstellen kann.

Die T+A kommt auch mit vergleichsweise geringen Wandabständen im Bereich 30cm klar und funktioniert ab einem Hörabstand von 2 m wie sie soll , man kann dank höhenverstellbarer Füße auch leicht nach hinten anwinkeln . Dazu profitiert die TS350 von hochwertiger Elektronik , an meinem T+A Verstärker legt sie nochmals zu aber auch ein solider Japaner , wie der Philips kommt schon gut mit ihr klar .

Einzig in Teilbereichen , wie die Quadral es mit ihrem 110mm Spezialisten im Mittelton zeigt , wird der Abstand geringer oder wenn man wie MB Quart einen guten Kompaktlautsprecher konstruiert , bei dessen Konstruktion die Möglichkeiten dieses Konzeptes auch oder gerade im unteren Preisgefüge zum tragen kommen , aber auch bei ihr fehlt insbesondere unten herum eine ganze Menge zur T+A .

Wer nicht gebraucht kaufen möchte , dem sei dieses Angebot empfohlen 

T+A TS 350 in schwarz St.595€

Dieser Händler hält noch einen Restbestand in schwarz vor , für einen Kaufpreis von 595 € Stück oder 1190€ Paar dürfte man derzeit nirgendwo mehr oder hochwertigere Lautsprecher in der Preisklasse finden .
Oder doch gebraucht bei mir , für 500€ wechseln die T+As den Besitzer :-))
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  • straylight, tschuklo, Balkes60, Jan, RO55
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#7
Fazit 

Am Ende dieses kleinen Vergleiches kristallisieren sich Erkenntnisse heraus , die mich letztendlich nicht wirklich überrascht haben , vorweg aber einiges zur Klarstellung .

Erstens sind sämtliche meiner Aussagen zu klanglichen Tendenzen der Lautsprecher natürlich rein subjektiv und können durchaus von anderen Hörern auch anders empfunden werden .

Zweitens werden Unterschiede bei direktem umschalten erheblich deutlicher wahrgenommen , vieles sogar nur im direkten Vergleich , was bedeutet , das man je nach Hörgewohnheiten mit jedem der besprochenen Lautsprecher zufrieden sein kann , sofern man eben nicht den direkten Vergleich sucht , insbesondere nicht mit erheblich teureren Konstruktionen , wie ich es hier mit der T+A praktiziert habe .

Das von den Konzepten her , in der Preisklasse bis 1000€ Paar , die klassische Zweiwege Konstruktion letztendlich das Rennen macht , hatte ich so fast erwartet , da ich in der letzten Zeit mehrere dieser Konstruktionen von Canton Ergo 602 bis Nubert NuWave 35 bei mir gehabt habe , die mich mit ihren Qualitäten gemessen am Preis teilweise wirklich begeistert haben . Die Nubert war dabei mit einem Stückpreis von neu nicht einmal 300€ der Hammer schlechthin .

Von daher und im Wissen , das man solche begrenzten Budgets wirklich clever einsetzen muss , auf das etwas vernünftiges dabei herauskommt , hab ich es im Vorwege schon geahnt , das die Quart in der Summe ihrer Fähigkeiten aus ihrem konstruktiven Konzept das Beste machen würde .

Von daher lautet mein Fazit aus diesem Vergleich auch , wer nicht gebraucht kaufen möchte , einen Standlautsprecher sein eigen nennen will , das Budget dabei aber 300-500 € Pro Stück nicht überschreiten darf , der sollte sich mit dem Gedanken anfreunden selber zu bauen .
Insbesondere bei der Quadral war deutlich erkennbar , mit einem besseren Gehäuse , wäre hier mehr drin gewesen aber das passte scheinbar nicht ins Budget .
Auch die Canton hatte diesbezüglich ihre Probleme , wenn auch nicht so ausgeprägt .

Aber erst die Quart hat die richtige Balance zwischen Verarbeitung und Chassis gefunden , eben durch Verzicht auf Größe und ein Chassis , weniger ist oft mehr .
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  • tschuklo, Balkes60, Jan, RO55, Darkstar
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#8
Danke für diesen Vergleichstest. T+A war mir bisher völlig unbekannt und ich finde die von Dir genannten Preise durchaus attraktiv. Sollte ich wieder einmal Lautsprecher benötigen, werde ich T+A mit Sicherheit in die Überlegung mit einbeziehen.
Viele Grüße Christian
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  • straylight, Südschwede, Jan
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#9
Keine Ursache Christian , da ich den Aufbau sowieso stehen hatte , kann man ja auch ein bisschen Info ins Forum streuen .

T+A ist neu mittlerweile leider kaum noch für Normalbürger erschwinglich , merkwürdiger Weise gehts vielen Leuten aber wie dir und sie sehen T+A in der Hauptsache als Firma für (unbezahlbare)hochwertige Elektronik .

Hat den Vorteil das man gebraucht bei T+A Lautsprechern einen enormen Gegenwert für sein Geld erhält .
Ich selber bin dadurch recht früh mit T+A Lautsprechern in Berührung gekommen , weil ich sehr früh mit dem Selbstbau angefangen habe und dabei eine 
Vorliebe für die Skandinavischen Chassis Hersteller Seas , Vifa , Perless und Scan Speak entwickelt habe , insbesondere Seas und Vifa hatten und haben teilweise heute noch ein hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis .

Das hat auch T+A sehr früh bemerkt und da sie keine eigene Chassis Fertigung haben , haben sie von je her eben viel mit skandinavischen Chassis gefertigt .

Selbst für Vintage Liebhaber gibt es da einige exzellente Modelle in klassischer Bauweise mit skandinavischen Chassis übrigens auch in aktiven Versionen. 
An Standlautsprechern gibt es auch so einiges , fast durchweg mit Transmissionline .

Mal schauen , vielleicht macht ich da mal nen eigenen Thread draus .
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  • Darkstar, straylight
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#10
(Gestern, 19:24)Südschwede schrieb: An Standlautsprechern gibt es auch so einiges , fast durchweg mit Transmissionline .

In den 80ern war ja gefühlt der überwiegende Teil der Standlautsprecher TML. Da haben sich zu der Zeit fast alle Hersteller drauf gestürzt und komischerweise wurde in vielen Vorführungen Tschaikowskis 1812 gespielt... Wink
Beste Grüße
Ralf

America last!  Tongue
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