Zufälliger Konzeptvergleich
#1
Hi zusammen , wie in meinem Schwedenshop schon zu lesen , habe ich im Heimkino Zimmer gerade einen Vorführaufbau für einen Kunden zusammengestellt .
Wie der Zufall es will , sind bei mir dabei gerade verschiedene Konzepte im Bestand , wodurch ein Vergleich nicht nur für den Kunden interessant wird , sondern vielleicht auch den einen oder anderen User hier interessiert .

Drei der Paare bewegen sich dabei im Neupreisbereich zwischen 500 und 700 € pro Paar , dazu die T+A für einen ursprünglichen Listenpreis von 2000€ pro Paar , um mal zu demonstrieren , wo der Aufpreis solcher Lautsprecher zu finden ist und ob es auch klanglich derart relevante Unterschiede gibt , als das sich solche Aufpreise für den Einzelnen lohnen .

Hier nochmal der Gesamtaufbau :

   

Und die Elektronik mit der getestet wird , zusätzlich kommt ein simples 4fach Umschaltpult zum Einsatz .

   

   

   

Die Kandidaten im Einzelnen und ihre konstruktiven Konzepte von innen nach außen .

Quadral Argent 50 

Die Quadral sind meines Wissens nach selten einzeln in den Handel gekommen sondern zumeist als Hauptlautsprecher in einem 5.1 Set zusammen mit dem Argent Base Center und den Argent 20 Regallautsprechern, sowie einem aktiven Subwoofer . Der Einzelpreis dürfte realistisch zwischen 300 und 400€ pro Stück anzusiedeln sein , falls jemand hier genaue Angaben hat , füge ich sie gerne ein , ich selbst habe keine Einzelpreise finden können . 
Sie bewegen sich heute gebraucht in Regionen zwischen 100 und 230€ (Höchstpreis bei Springair) pro Paar und werden vergleichsweise selten angeboten .

Die Argent 50 ist dabei ein klassisches und echtes 3 Wege Konzept , was in dieser Preisklasse ziemlich ungewöhnlich ist .
Ein beschichteter 170mm Bass gibt bei 800 Hz an einen ebenfalls beschichteten 110mm Mitteltöner weiter , beide mit langlebigen Gummisicken und den wie üblich recht massiv aussehenden Alu farbenen Gusskörben , die in diesem Falle allerdings aus Kunststoff bestehen . Komplettiert wird das Ganze von der häufig genutzten 25mm Metall Kalotte , die ab 3000 Hz den Rest des Spektrums nach oben übernimmt . Der Lautsprecher ist dabei als Bassreflex konzipiert mit rückwärtiger Reflexöffnung auf halber Gehäusehöhe .

Was sich Quadral dabei gedacht hat , bei solchen relativ günstigen Konstruktionen nun unbedingt ein recht hochwertiges Bi-Wiring Terminal zu installieren , bleibt wohl deren Geheimnis , sowas sein zu lassen und beim Gehäuse etwas massiver zu bauen , wäre nach meiner Ansicht sinnvoller gewesen .
So bleibt es im hinteren Bereich bei relativ dünnwandigem Pressspan in diesem Falle Esche schwarz foliert und einer etwas stärkeren MDF Front in schwarz matt lackiert .
Dazu gibt es einfache aber sauber aufsitzende Metallgitter Abdeckungen für die Front , haptisch gut und sinnvoll als Schutz vor Kinderfingern , für die die Lautsprecher mit ihrer zierlichen Höhe von 840mm genau die passende Reichweite hätten . 
Auch beim Gesamtgewicht zeigt sich , das am Gehäuse die größten Einsparungen vorgenommen wurden , es liegt bei kurz über 10 Kilo , die Quadral sind damit als Standlautsprecher leichter als die zugegeben massiv aufgebauten MB Quart .

Das macht sich im Spielbetrieb schon kurz oberhalb Zimmerlautstärke bemerkbar , hier fallen die Quadral als auch die Canton beim einfachen Test mit den Fingerspitzen auf der Lautsprecher Oberseite durch fühlbare Vibrationen der Gehäuse auf , sprich hier resoniert es und nicht zu knapp .
Ob sich das auch bei der Wiedergabe bemerkbar macht wird sich zeigen .


MB Quart QLS 502 S

Quart setzte bei dieser Konstruktion auf einen klassischen 2 Wege Lautsprecher in Bassreflex Ausführung mit Reflexöffnung auf der Front .
Die 25mm Titan Kalotte in einer ihrer finalen Ausführungen teilt sich unterhalb 3100 Hz die Arbeit mit dem flächenmäßig größten Tiefmitteltöner aller verglichenen Lautsprecher , einem unbeschichteten 195mm Treiber mit Gummisicke .
Auch hier ist mir der Paarpreis im Ursprung nicht bekannt , er sollte aber ebenfalls im Bereich 600-800 € pro Paar liegen , gebraucht werden diese Lautsprecher selten unter 100€ angeboten , eher Preisbereich 100-200€ pro Paar .

Man merkt der Quart sofort haptisch an , das hier im Gegensatz zur Quadral anders kalkuliert wurde , die Flanken sind in Esche schwarz Furnier gehalten , die Gehäusestärken liegen bei mehr als 20mm . Quart ist dabei der einzige der vertretenen Hersteller , der es schafft , selbst ein hochwertiges Bi-Wiring Terminal in die Rückwand einzufräsen , bei allen anderen Lautsprechern , auch bei T+A ist es nur aufgesetzt .
Dafür polarisiert MB Quart seit je her mit einer Eigenart , die mich persönlich , ehrlich gesagt immer maßlos gestört hat .
Sie haben es nie geschafft , selbst bei außermittig montierten Hoch und Mitteltönern , spiegelbildliche Paare Lautsprecher zu bauen , in diesem Falle nicht anders , egal wie man es dreht und wendet , ein Hochtöner sitzt außen , einer innen da beide Lautsprecher gleich gebaut sind und es keine linken und rechten Lautsprecher bei Quart gibt .

Andererseits demonstriert dies aber auch , dass das werben und beachten solcher Bauweisen wohl akustisch vollkommen egal ist , betrachtet man das Abstrahlverhalten von Chassis oberhalb 2000 Hz ist es tatsächlich vollkommen latte , ob ein Töner nun mittig sitzt oder leicht versetzt auf der Schallwand , komisch aussehen tut es trotzdem :-))

Mit 12,9 Kilo pro Stück bei Abmessungen von 280 x 476 x 310 mm (Breite x Höhe x Tiefe) sind die Quart ziemliche Wonneproppen , die Gehäuse machen auch bei höheren Pegeln kaum einen Mucks , nur die T+A toppen hier durch ihre Bauweise mit Transmissionline alles , trotzdem für die Preisklasse sind die Quart ausnehmend massiv verarbeitet , wobei wie bei der Quadral gilt , den Bi-Wiring Terminal hätte man sich sparen können .

Reicht das aber , um als Kompakt Lautsprecher mit den Standlautsprechern mitzuhalten , man wird sehen(hören) .


Canton LE 107 

Auf den ersten Blick bieten die Cantons für ihren ehemaligen Listenpreis von 690€ pro Paar eine Menge Lautsprecher fürs Geld , auch hier schwanken die üblichen Gebrauchtpreise zwischen 100 und 200€ pro Paar , was auch gebraucht den Eindruck eines sehr guten Preis/Leistungsverhältnisses erzeugt . 
Die Canton sind dabei praktisch Vertreter der heutigen Standardbauweise im Preisbereich bis 1000€ pro Paar .
Ein so genanntes 2,5 Wege Prinzip , bei dem zwei 180mm große Tieftöner bis zur vom Hersteller bestimmten Übergangsfrequenz bei 300Hz parallel laufen und darüber der obere der beiden optisch baugleichen Töner bis 3200Hz als Mitteltöner weiter läuft , den Hochton übernimmt dann eine 25mm Gewebekalotte .

Dieses heute überwiegend verbreitete Konzept soll Vorteile vor allem im Bassbereich erbringen und zwar durch Verdoppelung der Membranfläche im Bassbereich bei gleichzeitig schmaler Bauweise , ob das in der Praxis so klappt , wird sich noch zeigen , denn trotz der Verdoppelung der Membranfläche muss eben eines der beiden Chassis zusätzlich zum Mittelton , wie bei einem reinem 2 Wege Prinzip , den Bassbereich bis zur unteren Grenzfrequenz mit übernehmen . 2,5 Wege Lautsprecher sind also prinzipiell 2 Wege Konstruktionen mit Bass Booster .

Die Gehäuseoberflächen der Cantons sind auf dem Korpus sauber in Kirsche foliert , die Schallwand in einem anthrazit Farbton mit leichtem Metallic Effekt gehalten und trägt zusätzlich sehr sauber und genau eingepasste Gitter Abdeckungen , sinnvoller Weise verzichtet Canton auf Spielereien wie Bi-Wiring und verbaut ein sehr solides Single Terminal , passt und reicht vollauf . 

Gegenüber den Quadral weisen die Canton dickere Wandstärken beim Gehäuse auf , was sich durch ein Gewicht von 14,9 Kg pro Stück bemerkbar macht , allerdings scheint man auf weitere Gehäuseversteifungen verzichtet zu haben , auch die Cantons resonieren spürbar ab kurz oberhalb Zimmerlautstärke . Die Canton fällt in diesem Vergleich eben auch durch ihre Größe auf , mit 250 x 900 x 290 mm (Breite x Höhe x Tiefe) überragt sie die Quadral deutlich , nur die T+A ist geringfügig höher , wirkt durch ihre geschwungene Bauform aber insgesamt zierlicher . 

Mit der insgesamt größten Membranfläche und ner Menge Volumen hat die Canton theoretisch also insbesondere im Bassbereich konstruktive Vorteile , ob sie die auch ausspielen kann in der Praxis , wird sich zeigen .


T+A TS350 

Die T+A wurde von mir ja schon im Generationenvergleich mit meinen Yamaha NS1000M ausgiebig besprochen aber eben unter vollkommen anderen Voraussetzungen, musste sie sich da noch gegen eine Vintage Legende mit Monitor Abstimmung behaupten , nimmt sie in diesem Vergleich die Rolle des Platzhirsches ein , der sowohl preislich als auch technisch ?? die technologische Spitze repräsentiert .

Natürlich kucken hier die meisten auf den ehemaligen Listenpreis von 2000€ , sowie Gebrauchtpreise zwischen 400 und 700 € 
Wo steckt der Mehrwert , wie wird beispielsweise ein dreifacher Preis gegenüber einer Canton LE 107 gerechtfertigt .

Bevor überhaupt der erste Ton Musik abgespielt wird, zeigt die T+A optisch wie haptisch wo der Hammer hängt , ein Gewicht von 22 Kg pro Stück , die äußere Bauform mit den geschwungenen Flanken , sowie die Transmissionline als Basskonzept mit ihren zwangsläufigen Versteifungen über fast die gesamte Höhe , macht vom ersten Moment an deutlich , ich bin Handwerk , ihr seit Standard .
Dazu gerade wenn man sie direkt neben die Canton platziert , beide Gehäuse auf dem Korpus im gleichen Farbton und gleicher Holzart , wird das Budget optisch absolut deutlich . Sieht die Canton für sich betrachtet eigentlich recht schmuck aus , wird sie neben der T+A gnadenlos auf das Niveau Plastikfolie reduziert in die sie nun einmal verpackt ist .

Das ist wie Ikea gegen Tischlerei Maßanfertigung , absolut sauber und mit Seidenglanz veredeltes Kirsch Furnier , der Unterschied ist überdeutlich und selbst bei hohen Pegeln rührt sich da gar nichts .

Technisch traut T+A seinen Chassis auch ein ganzes Stück weiter als Canton , bei ebenfalls 2,5 Wege Prinzip , arbeitet die Tieftöner  nur bis 200 Hz parallel bis der baulich aufwendigere Tiefmitteltöner mit zusätzlichen Versteifungen in der Membran recht früh bei 2200 Hz an einen 35mm Ringstrahler übergibt .

Optisch und haptisch gibt es da gar nichts zu wollen und für so manchen dürfte der Drops vor dem ersten Ton schon gelutscht sein in der Form das die T+A ihren Preis schon durch Haptik , Optik und eine unverschämt gute Verarbeitung rechtfertigt .

Kann sie das aber auch klanglich zementieren oder werden die Unterschiede eher für Ernüchterung sorgen ? 


Das und so einiges anderes gibt es im nächsten Teil :-)
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Zufälliger Konzeptvergleich - von Südschwede - 28.11.25, 14:52

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