26.07.22, 11:39
(25.07.22, 20:32)#13 schrieb: Mich juckt dieser „Skandal“ so überhaupt nicht.
Ich habe so ca. 30 MFSLs und mag sie. Mir ist es egal ob das Mastertape digital oder analog war.
Gute Einstellung.
Aber ehrlich gesagt geht es bei dem Skandal ja gar nicht um das klangliche Ergebnis, welches man mit den Mo-Fi Ausgaben zu Hause erlebt sondern eigentlich darum, dass der Blätterwald und dessen Protagonisten gerade so richtig schick klassisch auf den Boden geplumpst sind; nachweislich das was sie über Jahre postulierten (analog ist besser als digital, Re-Issue-Label x nimmt den analogen Master ...) hat sich hier in Luft aufgelöst und als Unsinn entlarvt. Gleiches gilt für das Vertrauen, welches man in deren Aussagen ob gewisser klanglicher Meriten oder Ausprägungen bei Geräten, Schallplattenauflagen, Kabel und Einstellorgien legte. Nichts von dem was im Blätterwald abgedruckt wurde ist also (wirklich) belegbar.

Aber das war natürlich auch vorher eigentlich schon klar, nur nicht so offensichtlich. Ich mache Mo-Fi auch eigentlich gar keinen Vorwurf, denn Jedem, der sich mit dem Erstellungsprozess einer Schallplatte auch nur mal im Ansatz beschäftigte sollte klar sein, dass ein Master das bereits fertig abgemischte Ergebnis der Arbeit eines Tonmeister darstellt. Das nimmt man normalerweise um eine neue Pressauflage aufzulegen.
Will man allerdings ein deutlich anderes Ergebnis als auf der Erst-Veröffentlichung und deren Re-Issues des original veröffentlichenden Plattenlabels, dann benötigt man nicht den Master sondern alle Einzeltakes und Einzelspuren und muss komplett neu abmischen. Das wird aber schwierig, da es diese Einzeltakes und Einzelspuren in vielen Fällen gar nicht mehr gibt. Bandmaterial war teuer und da wurde viel wiederverwendet und somit viele alternative Takes und Einzelspuren überschrieben und unwiederbringlich "zerstört". Zudem wäre allein das Wiederfinden dieser Einzeltakes und Einzelspuren sowie deren Umkopieren eine fast endlose Aufgabe und ist bei den verlangten Preisen für die audiophilen Re-Issues gar nicht kommerziell abbildbar.
Somit kann dies in den meisten Fällen also gar nicht im Produkt der Re-Issue-Label eingeschlossen sein sondern nur die Verwendung des damaligen Masters und eine Wiederauflage der originalen LP, bei der mit moderneren technischen Mitteln "am Klangregler gedreht" und evtl. ein höherer Augenmerk auf die Qualität in den einzelnen Produktionsschritten der Matrize und Pressung sowie z.B. des Vinyls gelegt wird. Bedeutet, dass man also weniger Pressungen aus einer Matritze holt als früher im Massengeschäft üblich. Und allein dies rechtfertigt dann auch bereits einen in Grenzen höheren Preis. So weit so gut also.
Kann das Re-Issue-Label allerdings auf die digitalen Kopien aus dem damaligen Erstellungsprozess zugreifen, dann sind dort evtl. alternative Takes und ggf. auch die Einzelspuren vorhanden. Das wäre also für das angestrebte Ergebnis das deutlich bessere Ausgangsmaterial, einfach verfügbar und in der Kalkulation sicher noch inkludiert. Einzig das unbegründete Vorurteil digital ist bäh steht dem entgegen. Aber, wie kann man denn nur davon ausgehen, dass eine vor Jahren erstellte digitale Kopie schlechter als unbeaufsichtigt gealtertes 50und mehr Jahre altes Bandmaterial sein kann? Eben, die (heutigen) Ergebnisse der Re-Issue-Label zeigen ja deutlich auf, dass das Ergebnis nicht schlechter sein kann, wenn die selbsternannten Experten das Digitale noch nicht mal heraushörten oder bemängelten und das Ergebnis trotzdem über den Klee lobten.
Der Skandal liegt also nicht in den Werbeversprechen der Re-Issue-Label sondern darin, dass die Journalie und neudeutsch die Influencer nun von deren nachgewiesener eigenen Unfähigkeit abzulenken versuchen. Deshalb ist das für mich auch gerade der Tanz der Scharlatane.

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